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Eine Geschichte vom Fliegen

33 Teilnehmer gibt es bei den Red Bull X-Alps. Doch nur wenige haben eine so außergewöhnliche Hintergrund-Story wie der Vorarlberger Pascal Purin. Wie er überhaupt zum Fliegen kam, erzählt er exklusiv auf Sportalpen.com.

Der Gleitschirm aus dem Mistkübel

Der erste Gleitschirm kam aus dem Mistkübel.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Flug erinnern. Ich war damals neun Jahre alt und hatte gerade den Gleitschirm meines Vaters im Mistkübel vor unserem Haus in Dornbirn entdeckt. Mir war klar, dass meine Eltern nicht begeistert sein würden von dem, was ich damit vor hatte. Dennoch: der Schirm hatte etwas Faszinierendes, das mich einfach nicht los ließ. Also begann ich heimlich mit Versuchen, mich selbst in die Luft zu befördern.

Die große Chance

Als Neunjähriger hat man vielleicht die Prinzipien des Gleitschirmflugs noch nicht vor Augen. Doch ich wusste, dass man mit genügend Wind und Geschwindigkeit abheben würde. Leider war Dornbirn nicht unbedingt mit Thermik gesegnet und das änderte sich auch nicht, als wir nach Bregenz zogen. Ich probierte alles aus. Ich versuchte sogar im Lauf auf das Fahrrad aufzusteigen, um noch mehr Geschwindigkeit rauszuholen und den Schirm zu entfalten – aber auch das scheiterte. Als eines Tages ein großer Sturm aufzog, sah ich meine Chance kommen.

Mein erster Flug

Ich stellte mich auf den Kirchplatz, 35 Kilo schwer, festgezurrt an einem Schirm für Erwachsene. Vor mir das Haus meines Religionslehrers, hinter mir der immer stärker werdende Wind. Keine Protektoren, kein Helm. Als mir der Wind stark genug erschien, begann ich zu laufen. Und tatsächlich: Zum ersten Mal in meinem Leben hob ich ab! Auf den Rest war ich aber nicht wirklich vorbereitet.

Schutzengel am Haus des Religionslehrers

Sein erster Flug beeinflusste die Karriere von Pascal maßgeblich.

Der Wind riss mich sofort hoch und ich landete mit den Füßen voran an der Wand des Hauses meines Religionslehrers – und der Schirm am Dach. Da ich immer noch verbunden war, kam, was kommen musste: Ich wurde über das Dach nachgezogen. Ich versuchte mich irgendwie festzuhalten aber alles ging viel zu schnell und ich fiel auf der anderen Seite wieder hinunter Richtung Boden. Einen Meter vor dem Aufprall fühlte ich einen Ruck und der Fall wurde schlagartig gestoppt. Die Leinen des Schirms hatten sich in der Lawinenleiter verfangen… und mich gerettet. Diese erste „Watschn“ von der Luft habe ich noch lange später gespürt. Sie hat mich aber auch dazu gebracht weiterzumachen und dem Fliegen treu zu bleiben. Ohne diese Erfahrung, würde ich nicht bei den X-Alps starten.