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Mammut Swiss Irontrail 2014: Flo auf Rang 2 – Das Interview

Sportalpen Athlet Florian Grasel bewältigte am 14. August die 145 km und 8.200 positiven Höhenmeter des Mammut Swiss Irontrail T141 in 24 Stunden und 33 Minuten als insgesamt Zweiter. Wir wollten von ihm wissen, wie man sich darauf vorbereitet und wie er die Gradwanderung zwischen Beruf und Sport bewältigt. 

Sportalpen.com: Flo, wie fühlst du dich zwei Tage nach den 24 Stunden auf den Beinen?

Flo: Mittlerweile sind schon die ärgsten Schmerzen verflogen und nachdem die Arbeit in meiner Firma ruft, bleibt nicht viel Zeit um meine Wunden zu lecken – the show must go on!

Du bist ja selbstständig und hast dein eigenes IT-Unternehmen mit fünf Mitarbeitern. Wie schaffst du es deine Firma und deine Laufleidenschaft unter einen Hut zu bringen?

Das ist mittlerweile gar nicht mehr so einfach und erfordert einerseits sehr viel Disziplin und andererseits ein hohes Maß an Improvisationstalent. Ich versuche das Training bestmöglich in meinen täglichen Arbeitsablauf zu integrieren, laufe oder fahre mit dem Rad in die Firma oder zu Kunden, mache mehrere kurze Einheiten am Tag. Prinzipiell schaue ich, dass ich alle Wege zu Fuß zurücklege – da kommen dann auch schon mal 200km pro Woche zusammen.

Reicht das als Vorbereitung für so ein Rennen wie den Swiss Irontrail?

Wie man sieht ja. Ich habe im Endeffekt erst zwei Wochen vor dem Irontrail den Startplatz über eine Verlosung bekommen. Nachdem mein eigentliches Hauptziel dieses Jahr der Tor des Geants im September ist (Anm. d. Red.: 330 km mit 24.000 hm) und ich aufgrund von Hauskauf, Umbau und Arbeit in den letzten Monaten maximal 3-4 Stunden lange Einheiten machen konnte, war das die ideale Chance um eine „lange Trainingseinheit“ für den TdG zu machen. Also habe ich am Mittwochabend das Auto gepackt und bin mit meinem Dad als Begleiter in die Schweiz gefahren. Auf dem Albulapass auf 2.300m haben wir dann eine kalte Nacht im Auto verbracht und am Donnerstag wurden die Startunterlagen abgeholt. Der Start erfolgte um 24:00 Uhr. Angekommen bin ich in Davos am Freitag um 00:33 Uhr. Vier Stunden Schlaf blieben mir in einem Turnsaal auf einer Sprungmatte, ehe es wieder heimwärts ging.

Warum hast du dir nicht einfach ein Zimmer genommen?

Einerseits lebe ich in meinem Heimatort in Bad Erlach auf 300 m. Beim Irontrail verläuft 80% des Rennens auf über 2.000 m, mit dem höchsten Punkt auf 2.800 m, daher wollte ich zumindest eine Nacht „akklimatisieren“ und da habe ich das gleich mit der Anreise am Albulapass kombiniert. Andererseits finanziere ich mir mein Hobby komplett selbst und da hinterfragt man schon, ob vier Nächte in einem Hotel in Davos dafür stehen. Grundsätzlich habe ich einen geräumigen Van und eine Matratze – das muss reichen (lacht).

Wenn dich deine Trainingsvorbereitung nicht auf Platz 2 gebracht hat – was dann?

Ich bin das Rennen ohne Druck und Erwartungshaltung angegangen und habe es wirklich nur als Training gesehen. Eventuell hat das auch dazu beigetragen.

Denkst Du, dass Du mit mehr Training sogar noch schneller gewesen wärst?

Mir haben schon eindeutig die längeren Einheiten und viele Höhenmeter im Training gefehlt. Bei so einem langen Rennen quälen einen natürlich immer die Was-Wäre-Wenn-Fragen, aber das hilft mir dann unterwegs auch nicht weiter.

Ärgert dich das im Nachhinein, dass der Sieg mit mehr Training möglich gewesen wäre?

Ich ärgere mich nicht. Ich habe nach dem Event den Sieger gegoogled und nachdem ich herausgefunden habe, dass Marco Gazzola ein Top-Salomon-Athlet ist, auf der gleichen Seite wie Kilian Jornet steht und sogar den Tor des Geants 2011 „gewonnen“ hat – Er wurde disqualifiziert, weil er beim letzten Abstieg einen Streckenposten verfehlt hat – bin ich mehr als zufrieden.

Es gab mehrere Strecken zur Auswahl. Wieso hast du ausgerechnet die zweitlängste gewählt?

Es erschien mir von der Länge und den Höhenmetern ein guter Trainingslauf für den TdG.

Start und Ankunft um Mitternacht sind nicht unbedingt gewöhnlich. Kann man sich darauf überhaupt vorbereiten? Und wie wirkt sich das auf deine Leistung aus?

Nachdem ich die Nacht davor bis 1 Uhr in der Früh im Auto gesessen bin, im Auto der Schlaf durchaus auch unergiebig war und dann am Tag bis zum Start um Mitternacht aufgrund Nervosität und Vorfreude an Schlaf auch nicht mehr zu denken war, habe ich schon beim Start den Schlafentzug gemerkt. Das wirkt sich natürlich nicht sonderlich gut auf die Leistungsfähigkeit aus, aber beim Tor Des Geants werde ich wahrscheinlich 3-4 Tage nonstop bzw. nur mit minimalen Pausen unterwegs sein und daher habe ich das auch als Training gesehen.

Wie war es auf den einsamen Wegen der Schweizer Bergwelt? War der Untergrund eine besondere Herausforderung?

Ich liebe die Berge und die technischen Trails, daher war die Strecke für mich eigentlich ideal. Aufgrund der Regenfälle der letzten Wochen war grundsätzlich jeder Weg ein Bach und das ist dann für Mensch und Material schon eine besondere Herausforderung. Aber da es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechtes Material gibt und bei mir alles super funktioniert hat, konnte ich auch wirklich großteils die einmalige Schweizer Bergwelt genießen. Zugegeben: Wenn du über eine Alm läufst und dein Schuh zwei Schritte hinter dir im Matsch stecken bleibt, fällt es einem durchaus schwer das mit Humor zu nehmen.

24 Stunden zu laufen kann nicht immer lustig sein. Was waren die härtesten Momente?

Der letzte Aufstieg aufs Weisshorn war für mich wirklich hart. Zuerst läuft man bei Kilometer 90 etwa 26 km nur bergauf und du denkst: Jetzt kann dich nichts mehr aufhalten! Dann läufst du ein Stück bergab und musst eigentlich „nur“ 400 Höhenmeter auf das Weisshorn. Und genau diese 400 Höhenmeter waren dann plötzlich so hart, dass ich fast am Verzweifeln war. Lächerliche 400 Höhenmeter, die dich fast in die Knie zwingen! Umso schöner ist es dann, wenn man doch durchhält.

Hattest du einen speziellen Plan was die Ernährung (vor und während dem Rennen) angeht?

Nein. Nachdem es bei solchen Ultraläufen auf den Verpflegungsstationen immer ganz unterschiedliche Dinge zum Essen gibt, habe ich meinen Magen schon weitgehend dahin trainiert, dass er in Extremsituationen alles verträgt. Das klappt zwar auch nicht immer – diesmal hatte ich zwischen Kilometer 50 und 80 ein wenig Magenprobleme – aber da muss man dann halt auf seinen Körper hören und gegebenenfalls Geschwindigkeit herausnehmen. Die große Schüssel Müsli darf aber auf keinen Fall in der Früh bei mir fehlen.

Was sagt dein Körper zu den Strapazen? War oder ist irgendetwas anders als bei deinen übrigen Ultratrails?

Anscheinend bin ich nicht am absoluten Limit gelaufen, weil ich die Tage danach keine gröberen Probleme hatte. Was ich leider immer wieder vergesse ist, dass sich der Schlafmangel 2-3 Tage im Nachhinein auch noch bemerkbar macht. Das heißt auf keinen Fall 8 Uhr Termine in den Tagen nach einem Ultratrail vereinbaren!

Dein großes Ziel ist der Tor des Geants. Ändert dieses Resultat deinen Vorbereitungsplan für dieses Event?

Der TdG ist schon in knapp 3 Wochen. Ich würde aufgrund des Irontrails noch gerne viel mehr Höhenmeter trainieren, aber das ist in der kurzen Zeit fast unmöglich. Ich werde schauen, dass ich in den nächsten Tagen noch ein paar längere Einheiten schaffe, was aber leider aufgrund meiner Arbeit eine ziemliche Herausforderung wird. Ansonsten werde ich noch einiges für die Rumpfstabilisierung und -kräftigung machen. Ab Kilometer 100 ist die essentiell.

Sieht man dich nächstes Jahr wieder an der Startlinie?

Naja grundsätzlich hätte ich noch eine Rechnung mit dem T201 offen, aber jetzt muss ich mal den TdG überstehen und dann schauen wir einmal weiter, ob ich jemals wieder laufen möchte (lacht).

 

Fotocredit: alphafoto.com