Sportalpen.com

Laufen oder Langlaufen im Winter?

Langlaufen verursacht weniger starke "Impacts" als Laufen.

Ausdauersportler stehen im Winter oft vor der Frage: Laufen oder Langlaufen? Sportalpen.com hat sich mit dem Bewegungsexperten Dr. Gerold Sattlecker vom Olympiazentrum in Rif bei Salzburg über die Vor- und Nachteile der Sportarten unterhalten.

Langlaufen und Laufen: Parallelen im Ausdauertraining

Dr. Gerold Sattlecker.

Abwechslung in den Sportalltag reinzubringen hat viele Vorteile. Langstreckenläufer können auf der Loipe etwa genauso ihre Ausdauer verbessern, wie auf der Straße beim Laufen.“, erklärt Bewegungswissenschaftler Dr. Sattlecker.

Der Bewegungsablauf macht den Unterschied. Während Ausdauer und Sprintfähigkeiten in beiden Sportarten gleichermaßen trainiert werden können, sind es vor allem Muskeln, Koordination und Technik, die während der jeweiligen Sportart unterschiedlich in Anspruch genommen werden.

Richtige Laufschuhe schonen Gelenke, Sehnen und Muskeln

Beim Jogging sorgt der Impact – der Moment des Fußauftritts – für eine Belastung der Gelenke. Die Sprunggelenke und vor allem das Knie können in Mitleidenschaft gezogen werden. Unter Sportlern ist das längst bekannt. Interessant ist allerdings der Zusatz von Dr. Sattlecker: „Verstärkt wird der Effekt durch extrem gedämpfte Laufschuhe, die viele Läufer zu ‚Fersenläufern’ machen. Das Knie neigt dadurch zu einer gewissen Instabilität (Überpronation). Umgekehrt kann ein zu ausgeprägter Vorfußlauf aber zu Waden- und Achillessehnenproblemen führen“. Die Balance zu finden ist das Um und Auf.

Langlaufen: auf sanften Spuren den ganzen Körper trainieren

Ein Mix aus Langlaufen und Laufen ist in vielen Fällen optimal.

Diese Impacts fallen beim Langlaufen weg. Durch die Verteilung des Körpergewichts auf die Langlaufski und den so gut wie nicht stattfindenden Impact werden die Gelenke entlastet. Gleichzeitig wird der Oberkörper stark in den Bewegungsablauf integriert. „Durch den Stockeinsatz beim Skating, beziehungsweise die Auf- und Abbewegung beim klassischen Langlaufen, wird der ganze Rumpf mittrainiert. Die Belastung der Bauch- und Rückenmuskulatur bei den Klassikern sowie der Oberarmmuskulatur beim Skating sind ein positiver Nebeneffekt.“, so Sattlecker.

Langlaufen verlangt ein gutes Rhythmusgefühl.

Auf der Suche nach dem Rhytmusgefühl

Ein Nachteil beim Langlaufen ist der größere Aufwand. Zwei bis drei Tage müsse man in die Skating-Technik schon investieren, meint der Experte. Die einfachere Klassisch-Technik hat man schon nach einem Tag auf der Loipe verinnerlicht. Voraussetzung bei beiden Varianten ist ein funktionierendes Rhythmusgefühl. Wer ein Gespür für die Koordination entwickelt, hat es von Anfang an leichter. Langlaufen ist also auch zu einem gewissen Teil eine Talentfrage.

Hinzu kommt, dass mehr Material (Klassisch, Skating) benötigt wird. Kosten und Organisation sind hier zu berücksichtigen. Außerdem ist Langlaufen örtlich begrenzt. Laufen kann man hingegen so gut wie überall.

Tipps zur Ausrüstung

Zum Schluss gab uns der Bewegungswissenschaftler noch ein paar Daumenregeln für die Langlaufausrüstung mit auf den Weg:

Länge der Stöcke:

–       Klassisch: Körpergröße minus 30 Prozent
–       Skating: Körpergröße minus 20 Prozent

Länge der Ski:

–       Klassisch: Körpergröße plus 20 Zentimeter
–       Skating: Körpergröße plus 10 Zentimeter

Fazit: Vor allem Menschen mit Gelenksproblemen sollten mehr Zeit auf der Loipe verbringen. Auch Langstreckenläufer können Langlaufen sinnvoll in ihren Trainingsplan integrieren. Unkomplizierter bleibts dennoch beim Laufen. Ein guter Mix ist (auch psychisch) wohl immer noch die beste Variante.

 Vergleichstabelle Langlaufen und Laufen

Langlaufen

Laufen

Ausdauergewinn gleich wie beim Laufen gleich wie beim Langlaufen
Lernprozess 2-3 Tage beim Skating /
1 Tag bei Klassisch
laufen kann jeder, Technik und Laufstil können/sollten jedoch trainiert werden
Oberkörpertraining Bauch, Rücken, Oberarme, Schulter Oberarme (gering)
Material Ski, Schuhe, Stöcke, Funktionskleidung Schuhe, Funktionsbekleidung
Verletzungsgefahr Sturzgefahr bei Abfahrten und Spurwechsel umknicken, Gelenksbelastung,
Achilles- und Wadenprobleme
Ortsabhängigkeit Loipe ortsunabhängig