Salewa Klettercamp Kufstein
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Das war das Salewa Klettercamp in Kufstein

Mehrseillängen-Klettern und Technik-Training rund um den Wilden Kaiser

Von 22. bis 24. Juli drehte sich in Kufstein – genauer gesagt beim Salewa Klettercamp alles ums Thema Mehrseillängen. Drei erfahrene Guides standen den Teilnehmern mit hilfreichen Techniktipps beiseite – an der Wand, im Fels und am Boden. Ein abwechslungsreiches Wochenende mit jeder Menge Spaß in sehr sympathischer Runde und sogar das Wetter spielte mit.

Tag 1: Erste Begegnungen mit der Wand – im Klettergarten Morsbach

Nach und nach trudelten die Teilnehmer im Hotel Sattlerwirt in Ebbs ein. Kurz die komplett neu renovierten Zimmer inspiziert, wartete schon das Begrüßungsgetränk auf der sonnigen Terrasse. Die drei Tiroler Bergführer Thomas und Andreas Nothdurfter, sowie Daniel Kopp stellten sich vor und machten sich gleich ein Bild vom Wissensstand und den Erfahrungen der Kletterer. Gemeinsam wurden die Ziele für die nächsten Tage gesteckt und 2-Mann-Seilschaften, geteilt auf drei Gruppen, gebildet:

  • Die „Einsteiger“: Klettererfahrung im Sportklettern in der Halle und am Fels, aber noch keine Erfahrung mit Mehrseillängen
  • Die „Erfahrenen“: Grundlegendes Wissen über Standplatzbau, mittlere Erfahrung im Klettern
  • Die „Fortgeschrittenen“: Alpine Erfahrung vorhanden, bereits Mehrseillängen absolviert

Rauf auf den Fels

Nur wenige Minuten später hieß es für alle: auf zum nahegelegenen Plaisir-Klettergarten Morsbach. Die Autos am Parkplatz abgestellt, erreichten die Kletterfans nach einem kurzen Fußmarsch den Felsen im Wald.
In der ersten Einheit machten sich die Bergführer ein Bild davon, wie bewandert sich ihre Schützlinge beim Standplatzbau und an der Felswand zeigten. Aufgeteilt in die drei Gruppen ging es nach einer theoretischen Einführung gleich zur Praxis: Gemeinsames Klettern und Techniken beim Standplatzbau standen den ganzen Nachmittag auf dem Programm. Die Rucksäcke schon gepackt und gerade an den Autos angelangt, zog die angekündigte Gewitterfront vorbei, doch noch vor den ersten Regentropfen erreichten die Teilnehmer (fast) trocken ihre Autos.salewa-klettercamp-kufstein-11

Insidertipps von den Bergführern

Schon am ersten Abend gab es im Hotel einiges an Gesprächsstoff und kurz Gelegenheit im modernen Saunabereich des Hotels geschundene Muskeln zu entspannen. Nach dem Abendessen – die vier Gänge und die große Auswahl begeisterten die hungrigen Kletterfans – wurde im eigens bereitgestellten Seminarraum der Ablauf des kommenden Tages besprochen.

Anhand der Tourenbeschreibung für den nächsten Tag gab es Tipps zu Planung, Wettereinschätzung und Kletterequipment aus erster Hand. Fragen wie „Wie kann ich ohne genaue Beschreibung die Zustiegszeiten berechnen?“ und „Welches Equipment ist für welche Tour nötig?“ wurden von den Bergführern beantwortet.

Tipp: Für einen entspannten Zustieg rechnet man grob 1h Gehzeit für ca 300 Höhenmeter. „Ambitionierte können auch 400 oder 500 Höhenmeter ansetzen, je nach Kondition“, erklärt Bergführer Thomas Nothdurfter. Hinzu kommt die Zeit, für die aus der Karte gemessenen Wegstrecke – ca. 1/4h pro Kilometer. Der kleinere Wert der beiden wird halbiert. Ein Rechenbeispiel: 
laut Topo Höhenunterschied: 600hm ≙ 2h; 
laut Karte Wegstrecke: 4km ≙ 1h;  
kleinerer Wert /2; ergibt eine Zeit von insgesamt 2,5h

Nach dem gemütlichen Beisammensein und den lehrreichen Stunden im Seminarraum wurde zeitig ins Bett gegangen. Immerhin gab es schon um 6.00 Uhr ein Wiedersehen beim Frühstück.

Tag 2: Die Multerkarwand am Treffauer „im Griff“

Eigentlich gibt es im Hotel Sattlerwirt für die Gäste ab 7.00 Uhr Frühstück. Da das Wetter für Samstag leider nicht so gut gemeldet hatte, kredenzten die zuvorkommenden Gastwirte aber schon eine Stunde früher die morgendliche Mahlzeit. Das „kleine“ Early Morning Frühstück entpuppte sich als ausgedehntes Buffet mit Kaffeemaschine, Wasserkocher, frischem Gebäck, Wurst- und Käsevariationen und sogar extra glutenfreiem Brot. Bestens gestärkt folgten die Teilnehmer dem Ruf des Wilden Kaisers. Im Konvoi ging es rund 30 Minuten in Richtung Scheffau. Während der Fahrt erhaschten die Teilnehmer sogar für einen kurzen Moment einen Blick auf die Festung Kufsteins, dem Herzstück des charmanten Städtchens am Fuße des Zahmen Kaisers.

 

Die letzten Meter bis zum Trainingsplatz

Unterhalb des Gasthofs Jägerwirt wurden die Autos geparkt und das Kletterequipment aus dem Kofferraum geholt. Und schon machte sich die Truppe auf dem Weg zu neuen Abenteuern. Der Anstieg startete moderat, zuerst über einen Sandweg, der weiter über einen Pfad bis zum Geröllfeld unterhalb der Multerkarwand mündete. Angetrieben vom Blick auf die beeindruckenden Gipfel erreichte die Truppe den Einstieg schneller als geplant. Vor der imposanten, nach Südwesten ausgerichteten Felswand, die sich perfekt für alle Schwierigkeitsgrade eignet, teilten sich die Kletterer in die drei Gruppen auf.

Ein Fels – unbegrenzte Möglichkeiten

Die Anfänger positionierten sich an der linken Seite der Wand, die mit ihren kurzen leichten Touren und interessanten Platten und Rillen perfekter Ausgangspunkt war. Auf die „Erfahrenen“ wartete der zentrale Teil mit mittelschweren Touren wie der „Alex´s Hilltiride“ (1. SL 6+; 2. SL 5+). Die Truppe der „Fortgeschrittenen“ nahm rechts  die lange RWI-Tour mit insgesamt neun Seillängen bei einer Schwierigkeit von 4 bis 6 + – in Beschlag. Die Multerkarwand am Treffauer war der perfekte Ort zum Üben – und das für alle drei Gruppen. Entgegen der Prognose zeigte sich auch das Wetter von seiner trockenen Seite. Die Wand lag bis zum frühen Nachmittag im Schatten, hin und wieder zogen Nebelschwaden durch, die dem Klettergebiet einem mystischen Hauch verliehen. Ab und zu blitzte zwischen den großen Wolken die Sonne durch – idealer konnten die Bedingungen für einen Klettertag nicht sein.

Nachdem stundenlang der Fels bezwungen wurde, packten die letzten Kletterer gegen 15 Uhr ihre Sachen ein, um noch gemeinsam im Gasthof Jägerwirt auf den erfolgreichen Tag anzustoßen. Wie schon am Vortag genossen die Teilnehmer auch am Samstag nach einem sportlichen Tag die Ruhe und Entspannung im Hotel, bis sie der Hunger wieder ins Restaurant trieb. Nach der Stärkung stand Materialkunde am Plan, natürlich direkt vom Profi.

salewa-klettercamp-kufstein-55Karl-Heinz Dietrich – oder kurz genannt „Charly“, selbst ambitionierter Kletterer,  vom Salewa Mountain Store in Saalfelden besuchte die neugierige Truppe und versorgte sie mit Details und hilfreichen Tipps zum Kletterequipment: angefangen von technischen Hintergrundinfos zu der neuesten Generation von Salewa Klettergurten, über Machart, Unterschiede von Karabinern, Expressschlingen und verschiedenen Sicherungsgeräten bis hin zu praktischen Ratschlägen, wie man die Lebensdauer der eigenen Ausrüstung positiv beeinflussen kann. Je tiefer in die Materie eingedrungen wurde, umso mehr häuften sich die Fragen der Teilnehmer. Nach rund eineinhalb Stunden rauchten die Köpfe und „Charly“ verabschiedete sich mit einem zufriedenen Grinsen von seinen „Schülern“, die wohl über Nacht von Klemmkeilen, Express-Schlingen & Co träumen würden.

Tag 3: Feinschliff in Sachen Klettertechnik

Um das gelernte Wissen noch einmal zu festigen, wurde am dritten Tag noch einmal der Klettergarten anvisiert. Nach einem energiereichen Frühstück ging es noch einmal in Richtung Morsbach. Am Tagesprogramm standen neben dem Vertiefen des Standplatzbaus und unterschiedlichen Abseiltechniken auch individuelle Tipps zum Verbessern der eigenen Klettertechnik. Unter Kaiser-Wetter – der angesagte Regen blieb aus – verbrachten die Teilnehmer die letzten Stunden des Klettercamps an den Felswänden in Morsbach. Die gute Stimmung spiegelte sich an dem vielen Lachen aus der Gruppe wider und jeder der acht Kletterer war sichtlich stolz auf seine Fortschritte. Das Ziel des dreitägigen Camps war erreicht: Die Teilnehmer eigneten sich ein solides Wissen an, mit dem sie künftig spannende Mehrseillängen-Touren planen und selbst durchführen können. Ein krönender Abschluss des dreitägigen Klettercamps im Kufsteinerland.

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