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Freeski-Hoffnung im Interview: Isabel Salzmann

Freeski hinkt in der alpin-dominierten Bergrepublik immer noch etwas hinterher. Für Isabel Salzmann ist Freeski aber mehr als nur Sport.

Das andere Ende der Welt

Zur Vorbereitung auf die neue Saison Flog Isabel Salzmann nach Neuseeland.

Isabel Salzmann gehört zu den „jungen Wilden“ im Freeski-business. Seit 2010 macht sie die Parks unsicher, immer begleitet von ihren Lieblingstracks. Die Vorbereitung auf die aktuelle Saison erlebte Isabel am anderen Ende der Welt in Neuseeland. Bei der Austrian Freeski Open 2012 hat sie sich den Titel als beste Österreicherin geholt. Und das in ihrer erst zweiten Saison. Warum trotzdem noch viel Luft nach oben ist und weshalb es eigentlich nie zu spät ist einzusteigen, erzählt sie im Sportalpen Exklusiv-Interview.

Hallo Isabel! Du bist mittlerweile keine Unbekannte mehr in der Freeski Welt. Was aber machst du eigentlich im „echten“ Leben?

Ich bin jetzt seit zwei Jahren Studentin in Innsbruck und arbeite als Promotionleiterin bei einer Eventagentur. Nebenbei versuche ich natürlich so viel wie möglich auf den Berg zu kommen.

Wie lassen sich Uni und Arbeit mit Freeski vereinbaren?

Im Park zuhause : Isabel Salzmann.

Für mich ist Freeskifahren ein guter Ausgleich zum Lernstress. Prinzipiell hat man auch mit Arbeit und Uni genug Freizeit für seine Vorlieben. Ich würde mir zwar gerne noch mehr Zeit zum fahren nehmen, vor allem in der Prüfungszeit ist das aber leider nicht möglich. Man muss Prioritäten setzen und eine Ausbildung ist bei unserer Wirtschaftslage einfach sehr wichtig. Aber solange man genug zum Skifahren kommt passt das ja.

Musik scheint dir sehr wichtig zu sein. Hast du im Park und bei Contests auch immer die Kopfhörer drin?

Immer! Das motiviert einfach. Wenn man ein gutes Lied im Ohr hat fühlt man sich gut und fährt um Klassen besser. Das hat auf jeden Fall Einfluss auf meine Leistung.

Was gefällt dir generell so am Freeski-Fahren?

Für mich ist Feeski fahren wie eine Zeitreise. Der Park ist dabei sowas wie ein Spielplatz für Erwachsene. Du denkst an nichts und hast keine Sorgen, vergisst alles um dich herum. Du bist einfach nur am Berg. In einer stressigen Zeit fühlt sich ein Tag Skifahren für mich so an wie eine Woche Wellnessurlaub.

Du bist ja erst relativ spät auf Freeski gekommen. Was hat dich so lange aufgehalten?

Die nächsten beiden Saisonen fährt Isabel nach dem Motto: Punkten für Olympia.

Snowboardfahren! Ich fahre eigentlich schon Ski seit ich laufen kann, aber in der Pubertät, wo man besonders „cool“ sein will, hab ich dann gewechselt. Meine Schwester hat mich irgendwann wieder aufs Skifahren gebracht. Seither hab ich das Snowboard nicht mehr angerührt.

Hast du dann gleich mit Freeski begonnen?

Ich habe einem Freund seine eigentlich ziemlich kaputten Twin Tips für 50€ abgekauft und bin dann bald in den Parks gelandet. Mich hat das gleich sehr gereizt.

Wie ist der Kontakt mit deinen Sponsoren zu stande gekommen?

Das hat alles mit dem Alois Bickel (Teammanager und Salomon Athlet, Anm. d. Red.) angefangen. Der kommt aus Warth am Arlberg, wo ich meine halbe Jugend verbracht habe. Er war immer mein großes Freeski-Idol. Dann hab ich ihn einfach mal angeschrieben und er hat gleich alles in die Wege geleitet. Ich bin relativ schnell in die Salomon-Familie gekommen, die übrigens einmalig ist: man kann zusammen feiern und sie sind immer für dich da.

Wie gestaltet sich der Kontakt mit Salomon?

Es geht viel über E-Mail oder telefonisch. Wir treffen uns auch etwa zwei bis drei Mal in der Saison zu Skimeetings und Produktschulungen. Die Mitarbeiter zeigen uns dann wie die Ski aufgebaut sind, die Bindungen funktionieren oder ob es neue Produkte es gibt. Es läuft alles sehr familiär ab.

Du warst zur Vorbereitung für den Winter in Neuseeland. Warum ausgerechnet das andere Ende der Welt?

Der Park ist für Isabel wie ein Spielplatz.

Wir wollten im Sommer unbedingt Skifahren. Also hatten wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir gehen wieder in die Halle in der Nähe von Hamburg oder wir fliegen dorthin wo Schnee liegt. Die Halle war zwar auch cool, aber irgendwie wollten wir trotzdem etwas anderes. Gegen den Gletscher haben wir uns entschieden, weil wir dann vielleicht aufgrund der Wärme nur an einem Tag Skifahren hätten können. Außerdem wollte ich sowieso schon immer nach Neuseeland.

Was gibt’s in Neuseeland zu sehen?

Wanaka ist zum Beispiel ein „kleines Örtle“ (3.333 Einwohner, Anm. d. Red.) mit einem Mini-Zentrum, Shops und Restaurants. Das geniale an Wanaka ist aber der See mit dem atemberaubenden Bergpanorama. Das ist eine Wahnsinns-Kulisse. Besonders wenn die Sonne am Abend untergeht. Man sitzt einfach nur da und genießt es. Später trifft man dann fast alle die man am Berg schon gesehen hat noch einmal an der Bar. Man kennt ziemlich schnell fast jeden.

Unterscheidet sich die Skigemeinschaft dort von unserer?

Nicht wirklich. Ich glaube ich habe fast 50 Prozent der Leute auch bei uns in den Bergen schonmal getroffen. Was ich besonders cool fand ist, dass auch die Elite vor Ort war. Der Jossi Wells kommt ja zum Beispiel von dort.

In welchem Skigebiet warst du und wie kann man sich das vorstellen?

Der Park in Neuseeland ist „klein aber fein“.

Ich war im Snowpark New Zealand. Da gibt es genau einen Sessellift und zwei Pisten. Eine für Anfänger, eine für die Pros. Außerdem sind da noch eine Half-Pipe und einen Park mit Lines für Einsteiger bis Top-Level Fahrer. Das alles befindet sich aber an einem Hügel und genau das macht es sehr gemütlich. Das Umfeld ist auch super organisiert: es gibt Restaurants, Chill-Loungen, Lagerfeuer und einen gratis Physiotherapeut! Das Beste ist aber: Wenn man sich eine Saisonkarte kauft kann man für 100 Neuseeland Dollar Essen und Trinken.

Die Austrian Freeski Open hast du 2012 ja als Austrian Champ beendet. Wie besonders ist dieser Titel für dich?

Dafür, dass es meine zweite Saison war beudeutet mir der Titel sehr viel. Aber die beste Österreicherin ist für mich immer noch die Eva Patscheider. Ich finde, man kann sich nicht als beste Österreicherin bezeichnen, wenn man sie nicht geschlagen hat. Ich glaube wir treffen uns nächstes Jahr, wenn sie ihren Titel zurück will.

Wo steht Isabel Salzmann in 5 Jahren?

(lacht) Hoffentlich mit einem Master in der Tasche bei den X-Games! Das nächste Ziel ist aber erst einmal Olympia 2014. Bei den Europa- und Weltcups werde ich versuchen möglichst viele Punkte zu sammeln um unter die Top 32 (Limit für Olympia, Anm. d. Red.) der Weltrangliste zu kommen.

Hast du dich auch wieder für die Mayrhofen Freeski Open angemeldet?

Ich wusste garnicht, dass da die Anmeldung schon offen ist! Danke! Dann mach ich das mal. In einer Stunde bin ich angemeldet.

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