Karwendelmarsch: die Siegerperspektive

Meex

Sportalpen Athlet Markus „Meex“ Reich holte sich beim 52 km langen Karwendelmarsch den Sieg. Mit über sieben Minuten Vorsprung und einem Schnitt von 11,4 km/h kam der überglückliche Champion ins Ziel. Auf sportalpen.com berichtet Meex exklusiv von seiner unvergesslichen Erfahrung.

Karwendelmarsch: Regen – what else?

Vor dem Start zum Karwendelmarsch 2012

Vorbereitungen vor dem Start

Nur noch wenige Meter ins Ziel. Hinter mir ist niemand zu sehen. Dennoch konnte ich es bis zur letzten Sekunde nicht glauben: Ich war auf dem Weg, den legendären Karwendelmarsch zu gewinnen! Nach den Plätzen 3 und 7 in den Jahren davor sollte nun tatsächlich der Sieg winken? Unglaublich!

Dabei fing alles an wie immer: mit Regen. Pünktlich zum Start um 6:00 Uhr begann es wie aus Eimern zu schütten. Gewundert hat das natürlich niemanden, weil auch die Jahre davor der Karwendelmarsch immer verregnet war. Irgendwie würde ohne Regen auch irgendwas fehlen.

Der Masterplan für den Karwendelmarsch

Karwendelmarsch 2012

Meex auf Platz 2 kurz vor der Eng

Zum Glück hielt der Regen nicht lange an. Bereits nach wenigen Kilometern hörte er auf und beschränkte sich auf ein leichtes, kaum spürbares Nieseln. Aufgrund meiner mehrfachen Teilnahme an früheren Karwendelmärschen wusste ich, wie ich das Rennen anzugehen hatte. Lockeres Tempo, gedrosselt mit dem Wissen, zum Schluss noch etwas drauflegen zu können. Vorne setzte sich bald eine Gruppe aus etwa 10 Männern ein wenig ab. Aber auch die Ausreißer gingen es gemächlich an, da der Abstand nicht viel größer wurde.

Position um Position

Als die erste Steigung zum Karwendelhaus kam, konnte ich mein Tempo halten und zur Gruppe aufschließen, die sich bereits ein wenig auseinandergezogen hatte. Bis zur nächsten Labstation arbeitete ich mich bis Platz drei vor. Auf der Bergab-Passage konnte ich dann einen weiteren Rang gut machen. Diese Position hielt ich bis zur Falkenhütte und hoffte, bis zur Eng weiter auf den Führenden aufschließen zu können. Ich zwang mich, in diesem Abschnitt besonders acht zu geben, da ich wusste, dass jeder Fehltritt einen Krampf auslösen konnte.

Karwendelmarsch: Sekunden sparen mit dem Trinksystem

Trailrunner Meex beim Karwendelmarsch 2012

Der Salomon Rucksack hat Meex schon des öfteren gute Dienste geleistet

Trotz aller Vorsicht schoss mir kurz vor der Eng ein leichter Wadenkrampf ein. Ich wurde überholt und landete wieder auf Platz drei. Vorerst. Denn meinem Vordermann erging es nicht besser. Mir fiel auf, dass er ebenso mit Krämpfen zu kämpfen hatte und auch der Erstplatzierte wurde immer langsamer, bis er sich nur mehr wenige Meter vor uns befand.

Da ich meine komplette Versorgung flüssig in meinem Trinkrucksack hatte, musste ich an den Labstationen nicht haltmachen und konnte zügig daran vorbeilaufen, was mir in der Eng wieder Platz 2 einbrachte.

Der Platz an der Sonne

Kurz vor dem letzten Anstieg auf den Gramai Hochleger zog ich auch noch an den bis dahin Führenden vorbei. Jetzt erkannte ich meine Chance. Ich wusste, dass ich im Anstieg stark bin. Bis kurz vor dem Hochleger konnte ich alles laufen. Zwar sehr locker, aber stetig. Jetzt nur keinen Krampf beim Runterlaufen einfangen, dachte ich. Letztes Jahr habe ich genau hier durch Krämpfe den einen oder anderen Platz verloren.

Karwendelmarsch: die Angst vor dem Blick zurück

Sieger Markus Reich

Karwendelmarschgewinner Meex

Diesmal nicht. Der Sieg war schon zum Greifen nah. Vorsichtig und trittsicher lief ich Richtung Tal und dem Ziel in Pertisau entgegen. Bis zum Schluss wagte ich keinen Blick zurück. Ich rechnete jeden Moment damit, dass mich noch jemand einholte! Erst als mich das Führungsfahrzeug vom Karwendelmarsch kurz vor Pertisau abfing und der Fahrer meinte, da sei lange nichts hinter mir, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, dass ich das Rennen machen könnte! Auf den letzten Metern gab ich noch mal ordentlich Gas. Sicher ist sicher. Der Sprecher war schon hörbar und der Zielbogen sichtbar, was meinen Puls ein letztes Mal in die Höhe schießen ließ.

Karwendelmarsch: die Familie im Ziel

Karwendelmarsch Sieger Meex mit seiner Familie

Meex und seine Familie

Dann war es soweit. Ich hatte den Karwendelmarsch 2012 gewonnen! Den Moment machte meine Familie perfekt, welche mich überglücklich und aufgeregt im Ziel empfing. Die folgenden Stunden nahm ich wie in Trance wahr – ich war einfach überwältigt. Von diesem Moment, dieser Emotion, werde ich noch lange zehren.

Wer weiß, wann oder ob ich so etwas noch einmal erleben darf!

Die Ergebnislisten zum Karwendelmarsch online.

Meex

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