Bergsteigerin-mit-Rucksack
© Davide Angelini

Die wichtigsten Versicherungen für Bergsportler

Bestens (ab-) gesichert

Die Berge sind ein faszinierender Ort, der sowohl im Sommer als auch im Winter zahlreiche Sportler anlockt. Sie sind allerdings auch kein ungefährlicher Ort, weshalb die Frage der Versicherungen für Bergsportler essentiell ist. Welche Leistungen sind also durch die Standardversicherungen abgedeckt und welche zusätzlichen Versicherungen sind empfehlenswert? Hier kommen die Antworten!

Die Krankenversicherung zahlt – aber nicht immer genug

Sei es beim Wandern, beim Klettern oder beim Wintersport: Unfälle lassen sich in den Bergen niemals mit 100-prozentiger Sicherheit verhindern. Dadurch können kleinere oder größere Verletzungen entstehen. Ebenso kann beispielsweise durch die Anstrengung, durch die Temperaturextreme oder einfach aufgrund von Pech am Berg die Gesundheit zu streiken beginnen. Das Knie schmerzt oder es kommt sogar zu einem Herzinfarkt, um nur zwei von vielen Möglichkeiten zu nennen. Es können somit viele Umstände dazu führen, dass eine Bergrettung notwendig wird. Einige Bergsportler gehen davon aus, dass dafür automatisch die Krankenversicherung aufkommt. 

Tatsächlich übernimmt die gesetzliche oder private Krankenkasse viele Leistungen, wenn es zu Unfällen am Berg kommt. Das gilt allerdings für deutsche Staatsbürger allerdings nur innerhalb von Deutschland. Dann haben die Versicherten Anspruch auf eine Übernahme der Kosten für

  • einen Kranken- oder Hubschraubertransport,
  • die medizinisch notwendige Behandlung,
  • die ebenfalls notwendigen Medikamente und
  • eventuelle Rehamaßnahmen oder Kuren.

Unter gewissen Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für eine sogenannte Anschlussheilbehandlung. Zudem können individuelle Leistungen möglich sein, falls diese im Versicherungsvertrag inbegriffen sind. Sie hängen also stark vom Versicherer sowie Tarif ab, sodass es vor allem bei der privaten Krankenversicherung durchaus Unterschiede geben kann. 

Helikopter-Bergrettung
© Victor Chaika

Aber: All diese Leistungen stehen den Bergsportlern nur zu, wenn es sich um eine Rettung gehandelt hat. Das bedeutet: Die Krankenkasse übernimmt nur die Kosten für eine Bergrettung, wenn diese medizinisch notwendig war. Handelt es sich hingegen um eine Bergung, werden die Kosten nicht oder nur anteilig übernommen. Wenn sich ein Wanderer beispielsweise in unwegsamem Gelände verlaufen hat und mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden muss, wird ihm die Bergrettung anschließend in Rechnung gestellt. Auch dieses ist nur ein Beispiel von vielen. Die Annahme, Bergsportler seien durch die Krankenversicherung ausreichend abgesichert, ist daher ein Irrtum. Sie stellt nur eine wichtige Grundlage dar, die durch weitere Versicherungen ergänzt werden sollte.

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Private Absicherung für Bergsport im Ausland

Da Deutschland nur vereinzelt über hohe Berge verfügt, die zum Klettern, Bergsteigen, Skifahren & Co einladen, gehen viele Bergsportler bevorzugt ins Ausland. Doch schon, wenn sie sich nur in Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz oder Frankreich befinden, erlischt der Versicherungsschutz durch die heimische Krankenversicherung größtenteils. Eine Auslandskrankenversicherung ist daher unverzichtbar, um auch hinter den Grenzen beim Bergsport abgesichert zu sein. Sie ist zudem in den deutschen Grenzregionen wichtig, denn hier sind die Übergänge von einem Land zum anderen oftmals nicht erkenntlich und schnell kann es somit passieren, dass sich die Bergsportler unbemerkt im Ausland befinden. 

Da eine Auslandskrankenversicherung nur wenige Euro pro Jahr kostet, aber einen umfassenden Schutz bietet, ist sie daher für alle Bergsportler unbedingt zu empfehlen. Wichtig ist jedoch, die Tarife zu vergleichen, denn sie bieten unterschiedliche Konditionen. In jedem Fall sollte darauf geachtet werden, dass Notfälle in den Bergen sowie eine Bergrettung in den Leistungen inbegriffen sind, und zwar mit ausreichend hoher Deckungssumme.

Unfallversicherung: Ja oder Nein?

Bleibt nur noch die Frage offen, wie sich Bergsportler auch im Inland zusätzlich absichern können? Eine Unfallversicherung ist dafür oft die beste Wahl. Sie bietet einen umfassenden Schutz, wenn es um Unfälle jeder Art geht – auch in den Bergen. Dementsprechend ist in den meisten Polizzen die Bergrettung inbegriffen. Es handelt sich somit nicht um eine redundante Versicherung zur Krankenversicherung, sondern um eine sinnvolle Ergänzung. Zudem bringt die Unfallversicherung den Vorteil mit sich, dass sie oftmals weltweit gültig ist und dadurch auch eventuelle Lücken in der Auslandskrankenversicherung schließen kann. Wichtig ist jedoch auch bei der Unfallversicherung, dass die unterschiedlichen Tarife miteinander verglichen werden. So sollte beispielsweise eine Bergung inbegriffen sein, wenn die Bergrettung also nicht medizinisch notwendig war. Mindestens 10.000 Euro als Deckungssumme sind dabei zu empfehlen. Zudem wird manchmal unterschieden je nach Art der Outdoor-Aktivität, die mitversichert ist. Auch hier gilt es daher, genau hinzusehen und die Police optimal an den eigenen Bedarf anzupassen. 

Bestens abgesichert durch den Deutschen Alpenverein

Eine Alternative zur Unfallversicherung kann die Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein sein. Für einen geringen Jahresbeitrag ist darin nämlich ein umfassendes Versicherungspaket inbegriffen. So wird beispielsweise eine Bergrettung übernommen, unabhängig von den Gründen oder der ausgeübten Sportart. Voraussetzung ist lediglich, dass die Notsituation im Rahmen von alpinistischen Aktivitäten eingetreten ist. Mit einer Deckungssumme von bis zu 25.000 Euro ist die Absicherung sogar vergleichsweise hoch und auch im Ausland werden sämtliche Kosten für die Suche, Bergung oder Rettung übernommen. 

Selbst bei Fahrlässigkeit springt der DAV in vielen Fällen ein, ebenso wie im Sonderfall einer Blockierung. Dieser liegt vor, wenn die Bergsportler in einer ausweglosen Situation gefangen sind, ohne dass eine Verletzung oder ein Unfall entstanden ist. In der Regel ist sie ein Resultat der Selbstüberschätzung. Fälle also, in denen keine „normale“ Versicherung einspringen würde. Durchaus ist der Deutsche Alpenverein somit für Bergsportler eine hervorragende Alternative zur individuellen Absicherung. Dennoch lohnt es sich, im Einzelfall zu prüfen, ob trotzdem weitere Versicherungen notwendig oder sinnvoll sind. 

Haftpflicht ist (nicht nur) für Bergsportler ein Muss

Neben solchen speziellen Versicherungen gibt es auch eine allgemeine Polizze, die in den Bergen nicht fehlen darf: die Haftpflichtversicherung. Sie gilt als eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, die jeder haben sollte. Sie ist somit auch, aber eben nicht nur, für Bergsportler von größter Bedeutung. Die Privathaftpflichtversicherung deckt nämlich Schäden an Dritten ab, die durch den Versicherten verursacht wurden. In den Bergen kann das bekanntlich schnell passieren, sei es durch einen losgetretenen Steinschlag oder durch einen Zusammenprall beim Skifahren – um nur zwei von vielen Szenarien zu nennen. Auch hier gibt es die Möglichkeit sich über einen Verein zu versichern, beispielsweise über den Deutschen Alpenverein oder die Versicherungspakete des Skiverbands. Dennoch sollte jeder auch eine allgemeine Privathaftpflichtversicherung besitzen und wer hier auf den „richtigen“ Tarif achtet, der bereits alle wichtigen Schäden beim Bergsport abdeckt, der muss nicht doppelt bezahlen. 

Was ist mit Sonderversicherungen?

Für die meisten Bergsportler sind die genannten Polizzen also vollkommen ausreichend, um rundum gut abgesichert zu sein. Das gilt beispielsweise für Wanderer, Wintersportler oder Kletterer im Hobbybereich. Wer jedoch „extremer“ unterwegs ist als der 08/15-Bergsportler, für den sind unter Umständen zusätzliche Versicherungen sinnvoll.

Das gilt beispielsweise für Touren auf 7.000 oder mehr Höhenmetern. Dafür empfiehlt sich eine spezielle Versicherung für Expeditionen wie der Expeditionsschutz des DAV. Auch im Bereich des Extremsports kann eine zusätzliche Absicherung sinnvoll sein, denn einige Policen wie Unfallversicherungen schließen solche Sportarten aus – sprich sie leisten nicht, wenn ein Versicherungsfall durch die Ausübung von Extremsport entsteht. In den Bergen zählen dazu zum Beispiel das Freeclimbing, das Downhill-Mountainbiken oder das Skifahren im Tiefschnee. 

Genau deshalb ist es so wichtig, einen genauen Blick in die Versicherungsverträge zu werfen, um zu überprüfen, ob die gewünschten Leistungen tatsächlich abgedeckt sind. Sollten also „normale“ Versicherungen nicht den notwendigen Schutz bieten, kann eine spezielle Extremsport-Versicherung durchaus empfehlenswert sein.

Eine normale Wander- und Bergsportversicherung, wie sie oftmals angeboten wird, ist im Regelfall jedoch nicht notwendig – sofern die genannten Versicherungen oder eine Mitgliedschaft beim Deutschen Alpenverein abgeschlossen wurden. 

Oberkörper leicht vorgelehnt

Fazit

Ein ausreichender Versicherungsschutz für den Bergsport muss nicht teuer sein – aber ohne ihn kann es richtig teuer werden. Wichtig ist deshalb, dass sich Bergsportler mit dem Thema auseinandersetzen und sich einen individuellen Schutz zusammenstellen, um eben nicht nur gut gesichert, sondern auch rundum gut abgesichert in den Bergen unterwegs zu sein. Mit den genannten Versicherungen sind die meisten Bergsportler jedenfalls ausreichend geschützt. Dennoch ist das kein Grund zur Fahrlässigkeit, sondern Sicherheit ist stets auch eine Frage des eigenen Verhaltens. Das bedeutet unter anderem, sein Können realistisch einzuschätzen, hilfreiche Apps herunterzuladen, um beispielsweise das Wetter im Blick zu behalten, und ein grundlegendes Wissen mitzubringen. Der Versicherungsschutz ist daher zwar ein wichtiges, aber eben nur ein Puzzleteil für sicheren Sport in den Bergen. 

bergwetter

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