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© Michael Wohlleben/Simon Gietl

1. Winter-Gesamtüberschreitung der Drei Zinnen

Michi Wohlleben und Simon Gietl auf Expedition in Südtirol

Den beiden Alpinisten Michi Wohlleben und Simon Gietl gelang die erste Gesamtüberschreitung aller fünf Gipfel der Drei Zinnen im Winter. In nur etwas mehr als neun Stunden gelang ihnen die alpine Pionierleistung. Michi Wohlleben über das besondere Erlebnis.

Unverhofft kommt oft

2014, nach der ersten Nordwand-Aneinanderreihung der Drei Zinnen im Winter, dachte ich mir nicht, dass die Zinnen in naher Zukunft ein weiteres Projekt für mich zu bieten hätten. Als ich allerdings von der „Fitz Roy Traverse“ las, schoss mir das Bild von den Drei Zinnen und deren Winter-Gesamtüberschreitung in den Kopf. Bei einer zufälligen Begegnung mit Simon begeisterte ich ihn von meiner Idee, alle fünf Gipfel ohne Support zu überschreiten.

Simon zeichnete sich für die erste Überschreitung der Drei Zinnen (Westliche, Große und Kleine) verantwortlich, allerdings in zwei Tagen und ohne die beiden Gipfel „Punta Frida“ und „Preußturm“. Im kommenden Winter war eine Umsetzung zeittechnisch nicht möglich, somit visierten wir den Winter 2016/17 für unser gemeinsames Projekt an.

Nachdem der Wintereinbruch auf sich warten ließ, und ich nicht nur eine „Nummer“ in das Routenbuch eintragen, sondern ein Erlebnis bewältigen wollte, fixierten wir die ersten März-Wochen für einen Versuch.

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Die Route (v.r.n.l.): Westliche Zinne, Große Zinne, Kleine Zinne, Punta da Frida, Preußturm© Michi Wohlleben/Simon Gietl
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Die erste Hürde: die Westliche Zinne.© Fritz Miller

Drei Zinnen – Fünf Gipfel – Neun Stunden

Nach dem Check der Lawinensituation und der Verhältnisse starteten wir schließlich am 17. März um 06:45 Uhr in die „Scoiattoli-Kante“ an der Westlichen Zinne. Wir kannten die Route nicht und rechneten mit schwerem Gelände und schlechten Haken. Zu unserer Überraschung lief es jedoch besser als gedacht: Nach 2:20 Stunden erreichten wir den Gipfel der Westlichen Zinne, in der Hälfte der kalkulierten Zeit.

 „Mathematik war nie unser Gebiet, dafür klappt es im Klettern ganz gut“, dachten wir uns und setzten unseren Weg über die „Dülferroute“ in Richtung Große Zinne fort. Trotz zugigen und kalten Bedingungen kamen wir weiterhin schnell voran und standen kurze Zeit später, um 11:26 Uhr, auf dem Ringband in der Sonne am zweiten Gipfel des Tages.

Spannender Schlussteil

In der Scharte zwischen Großer und Kleiner Zinne füllten wir den Flüssigkeitshaushalt auf und kletterten dann über den Normalweg auf die Kleine Zinne. Der kalkulierten Zeit weit voraus wurden wir immer entspannter, da wir wussten, dass wir das Projekt noch bei Tageslicht abschließen würden. Von der Kleinen Zinne seilten wir die „Innerkofler Route“ ab und stiegen über den Westgrat auf die „Punta Frida“ auf. Jetzt wartete der spannendste Abschnitt der Überschreitung: Die Scharte zwischen „Punta Frida“ und „Preußturm“: ein abenteuerlicher, dunkler, exponierter Bereich – mit wenig Erfahrungswerten.

Die letzten Meter auf den „Preußturm“ waren ein Genuss. Dann seilten wir uns noch den „Preußriss“ ab, was trotz eines zu kurzen Seils gut funktionierte. Nach 9:15 Stunden erreichten wir schlussendlich um 16:00 das östliche Ende der Drei Zinnen. Im Gepäck eine tolle Erfahrung und die Zufriedenheit, das lang ersehnte Projekt erfolgreich beendet zu haben.

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